Pagina:Cornelii Taciti - Agricola.djvu/100

E Wikisource
Salire ad: navigationem, quaerere
Haec pagina nondum emendata est

88 TACrri AGRICOLA.


identidem primos sequentium incautos collecti et locorum gnari circumveniebant. quod ni frequens ubique Agricola validas et expeditas cohortes indaginis modo et sicubi artiora erant, partem equitum dimissis equis, simul rariores silvas equitem persultare iussisset, acceptum aliquod vulnus per nimiam fiduciam foret. ceterum ubi compositos firmis ordinibus sequi rursus videre, in fugam versi, non agminibus, ut prius, nec alius alium respectantes, rari et vitabundi invicem longinqua atque avia petiere.


(An et ist kein Anstoss zu neh- men; Tacitus vereinigt in seiner Weise die verschiedenen Zlige zur Schilderung des furchtbaren Schau- spiels, ohne ihr Yerh&ltniss zu ein- ander zu bezeichnen. Man hat et in est verwandelt; wollte man aber etwas verandern, so wiirde, da ein s vorausgeht, set statt sed n&her liegen.)

16. identidem statt des hand- scbriftiichen ntem, statt dessen man bis in die neueste Zeit item als handschriftlich angenommen hat, welches aber eben so wenig, wie jenes, eine passende Erkiarung zu- lasst. (Man hat auch mit einer lcichteren Aenderung idem statt ttdem, namlich qui anteavicti fue- rant, vorgeschlagen ; indessen dies wUrde nichts sein als eine unnothige HUlfe fUr die richtige. Auffassung, wie sie Tacitus nicht zu bieten pflegt.)

17. gnari statt des handschrift- lichen ignari. Die coUecti stehen den primi seqnentium, die locorum gnari den incauti gegeniiber; aus dem Gegensatz seibst namlich ent- steht dem Leser die Yorstellung, dass die primi sequentium sich im Eifer der Verfolgung vereinzelt und die incauti aus Unkenntniss der Oertlichkeit sich nicht genug vor gefahrlichen Stellen (Verstecken und Hinterhalten) gehutet hatten. In dieser Weise, so dass dieVor- stellungen sich dadurch erweitern und erg^nzen, pflegt Tacitus die Gegensatze auszudrUcken, vgl. z. B. Ann. I, 63: in paludem gnaram vincent^usy iniquam nesciiSj vgl. Anh., 2. (Hieraus crgiebt sich. dass gnari der andern Verbesse- rimg ignaros vorzuziehen ist und nicht minder auch einem ignaros gnarij letzteres Uberdem eine rhe- torische Ampliflcation, die dem Ta- citus fremd ist.)

frequens ubique, s. zu c. 20, 4.

18. indaginis modo „nach Art eines Jagdtreibens'^ Der grie- chische Ausdruck dafiir ist «aa- yrjvevetv, welches von Herodot (VI, 31) 80 beschrieben wird : aa- yrjvevovat dh Tovde rdv tq6~ ftov dvriQ dvbQdg drpduevog xrjs X^iQ^S iyc d^aXdaarjs tfjs ^OQTjirfs enl Tqv voxCrjv btrjyovat xal ineira bid stdarjs Trjs vrjaov bteQXOvtai ix&rjQeTJOVTes rovs dvS-Qcinovs. Es geht also zu wie bei einem Treib- jagen, wobei Alles darauf berech- net ist, dass keins der Objecte der Jagd entkommt (an ein Anfassen mit den Handen, wie bei Herodot, ist natiirlich in unserem Falle nicht zu denken); ein Umschliessen im Ereise findet dabei uicht noth- wendig statt.

20. equitem persultare (statt des handschriftlichen equite oder equi- tes persuliari): daraus ist durch Zeugma fur das vorausgehende Subject validas et expeditas cohor - tes ein allgemeineres Verbum, wie progredi , zu entnehmen , s. zu c. 19, 10, und auch zu partem equitum dimissis equis passt persultare nicht voUkommen, welches nur mit Kiicksicht auf equitemy „den Rei- tern zu Pferde" im Gegensatz zu den abgesessenen, gewahlt ist.

21. vulnus: iiber diesenTropus s. zu c. 29, 1.

24. rari et vitabundi invicem: