Pagina:Cornelii Taciti - Agricola.djvu/110

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98 TACITI AGRICOLA.

quia non contamacia neque inani iactatione libertatis famam fatumque provocabat. Sciant, quibus moris est illicita mirari, posse etiam sub malis principibus magnos yiros esse, obsequiumque ac modestiam, si industria ac vigor adsint, eo laudis excedere , quo plerique per abrupta,

den Hass zu erwiedem. Vergl. SeneC' de Ir. II, 33: hoc habent pessimum animi magna fortuna in- solentes : quos laeserunt^ et ode- runt.

18. famam fatumque. Unter Domitian waren fama und fatum eng verbunden; denn unter ihm „nec minus periculum ex magna fama quam ex maW^ (c. 5). Diese enge Verbindung ist vielleicht ab- sichtlich von Tacitus auch durch die Alliteration ausgedriickt; pro- vocabat passt aber eben deswegen gleich gut zu famam wie zu fa- tum.

19. Sdant, quibus moris est etc. Dieser Schlusssatz der eigentlichen Lebensbeschreibung enth^lt den Kem ftir die Characteristik Agri- cola's. Derselbe war nach Taci- tus' Auffassung und Darstellung ein Muster der Vaterlandsliebe, welche es sich durch Verzichtlei- stung auf eignen Ruhm und auf je- den sonstigen Lohn auch unter schlechtenKaisern mdglich machte, sich grosse Verdienste um das Va- terland zu erwerben, derselben ent- sagungsvollen Tugend, welche, wie es Uhland ausdrttckt, „glUht, sich dem zu weihn, was fromme und nicht glanzt". Das hierin enthaltene hohe Lob des Agricola wird nun aber an unsrer Stelle noch in hel- leres Licht gesetzt durch den Ge- gensatz derer, welche aus Ehrgeiz sich in jeder Weise mit ihrer Op- position hervordrangten , welche ihre republikanischen Gesinnungen zur Schau trugen und dadurch wohl sich einen vermeintlichen Martyrer- tod zuzogen, dem Vaterlande aber dadurch nichts ntitzten, ihm viel- mehr, indem sie die Kaiser reiz- ten, oft den grossten Schaden be- reiteten. Diese excentrische , be- sonders unter den Stoikem der damaligenZeit vorkommende Weise wird von Tacitus trotz seiner Be- wunderung fUr die alte, nach sei- ner Meinung aber nicht zuruckzu- mfende republikanische Grdase sogar an dem von ihmsonst hoch gestellten Thrasea Paetus getaddt, Yon dem er bei Gelegenheit einer auffallenden oppositionellen Hand- lun^ sagt {Ann. XIV, 12) : sibi cau» sam periculi fecit, ceteris libertatis initium non praebuit. Seine eigene Ansicht spricht er in ahnlicher Weise wie hier auch Ann. IV, 20 aus : dubitare cogor . . . an sit ali- quid in nostris coimliis liceatque inter abruptam contumaciam et de- forme obsequium pergere iter am- bitione ae periculis vacuum,

illicita : dies sind eben jene Be- strebungen und Handlungen einer leidenschaftlichen und unbesonne- nen Opposition, welche durch den Anschein vun ausgezeichnetem Mnth vielfach grosse Bewundernng er- regten. Sie sind illicita (nicht et- wa inhonesta), weil sie aurch die Zeitverhfiltnisse verboten waren und nicht selten auch durch die Kai- ser bestraft wurden.

. eo laudis excedere „8ich bis zu der Stufe der LobenswUrdigkeit erheben"; denn excedere bedeutet nicht bloss „tlber etwas hinausge- hen", sondern seiner Grundbedeu- tung nach auch „bis zu etwas (aus hindernden Umst^nden heraus) durchdringen", „8ich bis zu etwas erheben", wie Valer. Max. V, 6,4: res piihlica procedente tempore ad summum imperii fastigium exces- sit , Plin. N. H. XXVII, 1, 1 : ex- cedentia in nubes iuga.

quo geht als Abl. instr. auf eo laudis und kann als solcher eben 80 gut stehen, wie ^a stehen wUrde, wenn usque ad eam laudem vorausgegangen w&re. (Statt eo lau- dis excedere, quo hat man, an dem Gebraudi von excedere und von