Pagina:Cornelii Taciti - Agricola.djvu/119

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CAP. 46. 107

in carcerem manus; nos Maurici Rusticique visus, nos innocenti sanguine Senecio perfudit. Nero tamen subtraxit oculos suos iussitque scelera, non spectavit: praecipua sub Domitiano miseriarum pars erat videre et aspici, cum suspiria nostra subscriberentur, cum denotandis tot hominum

nicht so gefährlich wie später gewesen, nun noch von dem Delator, der bisher der gefährlichste gewesen, hinzugefügt, dass dieser seiner Verurtheilung nahe war.)

Helvidium (Priscum) den Sohn des c. 2 erwähnten Helvidius Priscus. Derselbe wurde im J. 98 von Publicius Certus angeklagt und im Gefangniss (daher nostrae in carcerem duxere manM) hingerichtet und zwar nach Sueton (Dom. 10) “quasi scenico exodio sub persona Paridis et Oenones divortium suum (Domitiani) cum uxore taxasset.“ Vgl. Plin. Epp. IX, 13.

7. Maurici Rusticique: über letzteren, dessen vollstandiger Name L. lunius Arulenus Rusticus war, vgl. c. 2 , 1. (Junius) Mauricus, dessen Bruder, wurde im J. 93 verbannt, nach Domitians Tode aber von Nerva zurtickgerufen, s. Plin. Epp. III, 11, 3. I, 5. IV, 22, 4.

visus, Es kommt dem Tacitus bei Anführung dieser Beispiele der Grausamkeit Domitians hauptsach- lich darauf an, dass bei denselben die Senatoren durch ihre Theil- uahme an denselben und durch ihre Gegenwart entehrt wurden, und dasB eben dies dem Agricola durch seinen Tod erspart wurde. Deshalb erwartet man zu visus ein Verbum wie dedecoravit oder /b«- davit; denn der Anblick (dies be- deutet visus) der ungerechten Strafe des Mauricus und Eusticus war fur die Senatoren, deren Anwesen- heit dabei erzwungen wurde, eine Schande und eine Steigerung der darin ftir sie enthaltenen Ernie- drigung, wie es ja gleich nachher heisst : praecipua sub Domitiano miseriarum pars erat videre et aspici. Dieser Bcgriff der Enteh- rung aber (nicht der des Schrek- kens) ist durch Zeugma aus dem folgenden sanguine perfudit zu ent- nehmen; denn dies ist blos ein hyperbolischer Ausdruck daftir, dass die Senatoren beim VoUzug der Todesstrafe des Senecio, und zwar, wie es scheint, in d^ nach- sten N&he, zugegen sein mussten. Mit Beseitigung des Zeugma wUr- den die beiden SHtze etwa so aus- zudrticken sein : nos Maurici Rusti- cique visus, nos Senecionis suppli-- cium, cui tam prope adstitimuSf ut paene eius sanguine perfundere- muTt dedecoravit. (Statt der Les- art der beiden Handschriften : Jtfati- rici Rusticique visus fuhrt Ursi- nus, wiederum angeblich aus einer alten Handschrift, an: Mauricum Rusticumque divisimus^ eben dies ist auch auf dem Rande der Hand- schrift A bemerkt. Man erklart dies : wir haben die beiden Brli- der von einander getrennt. Es leuchtet aber ein, dass dies einen uberaus matten, der Empfindung des Tacitus und dem Zusammen- hang unangemessenen Sinn giebt.)

innocenti sanguine Senecio perfudit. Ueber (Herennius) Senecio vgl. c. 2, 1 und oben zu Z. 4. Ein ahnlicher hyperbolischer Ausdruck ist von Valerius Maximus (1, 6, 11) in Bezug auf den Tod des L. Cfras- sus, des Sohnes des Triumvim M. Crassus, im Partherkriege des J. 53, gebraucht: optimae indolis filii cruore paterni respersi oculi.

11. subscribere7itur „aufgezeichnet wurden": so subseribere Sueton, Axxf. 29: cum Pinarium subscribere quaedam animaduertissetj Quint. Or. Inst. XII ,8,8: nec tanta sit acturo memoriae fiducta, ut subscribere audita pi- geat. Dies geschah bei VoUziehungder trafen und zu demZweck, um diejenigen, welche auf diese Art ihre Theilnahme fttr die Be-