Pagina:Cornelii Taciti - Agricola.djvu/15

E Wikisource
Jump to navigation Jump to search
Haec pagina emendata et bis lecta est


IULII AGRICOLAE VITA.


1 Clarorum virorum facta moresque posteris tradere, antiquitus usitatum, ne nostris quidem temporibus quamquam incuriosa suorum aetas omisit, quotiens magna aliqua ac nobilis virtus vicit ac supergressa est vitium parvis magnisque civitatibus commune, ignorantiam recti et invidiam. sed apud priores ut agere digna memoratu pronum magisque


c. 1—3. Einleitung: Gegenüberstellung der alten (republikanischen) Zeit und der Gegenwart in Bezug auf die Abfassung von Biographien mit besonderer Hervorhebung der Schrecken der Regierung Domitians.

c. 1. Die Abfassung von Biographien ist von jeher üblich gewesen und daher auch in der Neuzeit nicht völlig unterblieben; sie geschah aber sonst häufiger und mit grösserer Freiheit und Unbefangenheit als jetzt, wo ich (unter Domitian) für eine solche (sogar) der Erlaubniss oder Entschuldigung bedurft haben würde.

2. quamquam steht bei Tacitus und spätern Schriftstellern häufig statt quamvis und wird daher sowohl als Adverbium mit einem Adjectivum oder Adverbium (so noch c. 16. 22. 38. 39. 44) wie als Conjunction mit dem Conjunctiv verbunden (so c. 3. 6. 13). Doch ist im ersteren Falle auch quamvis gebraucht (c. 9), und im andern Falle ist c. 18. 35. 36 quamquam auch mit dem Indicativ verbunden.

3. incuriosa späteres, bei Tacitus häufiges Wort mit dem Genetiv in dem Sinne von „unbekümmert um –, gleichgültig gegen –“; suorum kann entweder als Neutrum oder als Masculinum aufgefasst und sonach entweder in dem Sinne von „sich nicht um die eigenen d. h. die ihr zunächst liegenden, gegenwärtigen Dinge“ oder „sich nicht um die ihr Angehörigen, also um die Männer der Gegenwart kümmernd“ verstanden werden. Für erstere Auffassung würden Parallelstellen sprechen wie Dial. 18: vitio malignitatis humanae vetera semper in laude, praesentia in fastidio; Ann, II, 88: dum vetera extollimus, recentium incuriosi; Vell. Pat. II, 92: praesentia invidia, praeterita veneratione prosequimur. Indessen liegt hier näher, dem Zusammenhang gemäss an die Männer zu denken, um die es sich hier überhaupt handelt; auch würde Tacitus im andern Falle lieber praesentium geschrieben haben.

6. pronum in der tropischen